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Deadlifts verstehen: Finde deinen Stand und die passende Variante für dich

  • Autorenbild: Joana Senn
    Joana Senn
  • 29. Apr.
  • 5 Min. Lesezeit

Viele Leute denken, es gebe nur eine oder zwei richtige Deadlift Variante(n). In der Realität gibt es mehrere sehr gute Varianten, und welche am besten zu dir passt, hängt von deiner Anatomie, deiner Vorgeschichte und deinen Zielen ab.

Frau in Sportkleidung zeigt fünf verschiedene Deadlift-Techniken mit Langhantel.

In diesem Artikel schauen wir uns fünf wichtige Varianten an und wie du herausfindest, welche sich für dich am besten eignet:

  • Conventional Deadlift

  • Sumo Deadlift

  • Semi Sumo Deadlift

  • Romanian Deadlift

  • Stiff Leg Deadlift


Grundidee: Wähle, was für dich funktioniert

Wenn du deinen Deadlift Stand und deine Variante wählst, helfen dir ein paar einfache Fragen:

  • Wie natürlich fühlt sich die Position an

  • Wie gut kannst du Spannung halten und dich stabil fühlen

  • Wie gut erholst du dich danach, vor allem im Rücken und in den Hüften


Forschungsarbeiten, die verschiedene Deadlift Varianten vergleichen, zeigen keinen klaren Sieger. Im Durchschnitt sind die Maximalkräfte zwischen Sumo und Conventional sehr ähnlich. Unterschiede entstehen vor allem durch individuelle Proportionen, zum Beispiel Rumpflänge und Beinlänge.


Das Ziel ist deshalb nicht, die theoretisch „beste“ Variante zu finden, sondern diejenige, mit der du stark, stabil und langfristig belastbar bist.


  1. Conventional Deadlift

Der Conventional Deadlift ist die klassische Variante mit etwa schulterbreitem Stand und den Händen ausserhalb der Beine.

Er eignet sich besonders, wenn du dich in dieser Position stabil und kraftvoll fühlst und wenn du die hintere Kette insgesamt stark belasten möchtest, also Gesässmuskulatur, Oberschenkelrückseite und Rückenstrecker. Durch die stärkere Vorneigung des Oberkörpers übernehmen die Rückenstrecker einen grösseren Teil der Arbeit.

Viele nutzen Conventional als Hauptvariante für schwere Sätze mit wenigen Wiederholungen, zum Beispiel im Bereich von drei bis sechs Wiederholungen. Wenn sich diese Variante für dich gut anfühlt und dein Rücken die Belastung gut toleriert, ist sie eine sehr solide Wahl.


  1. Sumo Deadlift

Beim Sumo Deadlift stehen die Füsse deutlich breiter, die Zehen sind nach aussen gedreht und die Hände greifen zwischen den Beinen.

Diese Variante passt häufig gut, wenn du mit Conventional immer wieder das Gefühl hast, dass der untere Rücken sehr früh zum limitierenden Faktor wird, oder wenn du dich in einer aufrechteren Position wohler fühlst. In der Praxis und in biomechanischen Analysen zeigt sich, dass der Oberkörper beim Sumo Deadlift oft etwas aufrechter bleibt und die Last anders über Hüfte und Knie verteilt wird.

Sumo kann zudem etwas mehr Arbeit auf die Oberschenkelvorderseite verlagern, ohne die hintere Kette aus dem Spiel zu nehmen. Für manche Athletinnen und Athleten passt diese Verteilung besser zur eigenen Anatomie. Sumo ist keine Abkürzung, sondern eine vollwertige Wettkampf- und Trainingsvariante.


3. Semi Sumo Deadlift

Semi Sumo liegt zwischen Conventional und Sumo. Der Stand ist breiter als schulterbreit, aber nicht so extrem wie beim klassischen Sumo.

Diese Variante eignet sich, wenn dir ein sehr breiter Sumo Stand in der Hüfte oder in den Adduktoren unangenehm ist, du aber trotzdem von einem etwas breiteren Stand und einem tendenziell aufrechteren Oberkörper profitieren möchtest.

Semi Sumo verbindet viele Eigenschaften von Conventional und Sumo und ist für viele Trainierende eine angenehme, gut tolerierbare Zwischenlösung.


4. Romanian Deadlift (RDL)

Der Romanian Deadlift beginnt meist aus dem Stand. Die Knie sind leicht gebeugt, und du senkst die Hantel kontrolliert ab, bis etwa auf Höhe des mittleren Unterschenkels, ohne den Boden zu berühren.

Der Fokus liegt klar auf der Hüftbeugung. Die Spannung auf Oberschenkelrückseite und Gesäss bleibt über die ganze Bewegung hoch. Im Vergleich zu klassischen Deadlifts vom Boden spielt die Kniebeugung eine kleinere Rolle.

RDLs eignen sich besonders für mittlere bis höhere Wiederholungsbereiche, zum Beispiel sechs bis zwölf oder acht bis fünfzehn Wiederholungen. Sie sind ideal, um die hintere Kette mit hoher Muskelspannung zu trainieren, ohne jedes Mal sehr hohe Maximallasten bewegen zu müssen.


5. Stiff Leg Deadlift

Der Stiff Leg Deadlift ähnelt dem Romanian Deadlift, wird aber meist mit weniger Kniebeugung ausgeführt. Die Knie bleiben fast gestreckt, nur leicht gebeugt.

Dadurch entsteht ein sehr starker Dehnreiz auf den Hamstrings. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Beweglichkeit und an die Toleranz im unteren Rücken.

Stiff Leg Deadlifts eignen sich vor allem, wenn du gezielt Oberschenkelrückseite und unteren Rücken mit moderaten Lasten und kontrollierter Technik trainieren möchtest. Auch hier sind mittlere Wiederholungsbereiche sinnvoll.


Romanian Deadlift und Stiff Leg Deadlift belasten beide die hintere Kette stark. Unterschiede ergeben sich vor allem aus dem Ausmass der Kniebeugung, dem Bewegungsumfang und dem subjektiven Komfort. Entscheidend ist, welche Variante du technisch sauber halten kannst und in welcher du die Zielmuskeln am besten spürst.


Wiederholungsbereiche sinnvoll nutzen

Für die Trainingspraxis kannst du die Varianten grob so einteilen:

  • Für schweres Training mit wenigen Wiederholungen eignen sich vor allem Conventional, Sumo und Semi Sumo. Sie sind typische Hauptvarianten, um Maximalkraft aufzubauen.

  • Für mehr Volumen und gezieltes Muskeltraining der hinteren Kette eignen sich besonders Romanian Deadlift und Stiff Leg Deadlift, meist mit moderaten Lasten und höheren Wiederholungszahlen.

Das bedeutet nicht, dass du eine Variante nie anders nutzen darfst. Es ist eher eine Orientierungsregel, die sich in vielen Trainingsplänen bewährt hat.


So findest du deine Deadlift Variante

Anstatt lange theoretisch zu diskutieren, lohnt es sich, die fünf Varianten bewusst auszuprobieren. Plane für jede Variante eine Phase von einigen Wochen ein und beobachte:

  • Wie stark fühlst du dich in dieser Variante

  • Wie stabil wirkt deine Technik in der Bewegung

  • Wie fühlen sich Rücken und Hüften am nächsten Tag an

  • Wie gut kannst du dich zwischen den Einheiten erholen

Als Hauptvariante bietet sich diejenige an, mit der du über längere Zeit Fortschritte machst, ohne dass dich ständig Schmerzen oder übermässige Müdigkeit ausbremsen. Du musst dich nicht für immer festlegen, aber ein klarer Fokus über mehrere Trainingszyklen hilft enorm, konstant stärker zu werden.


Was die Wissenschaft dazu sagt
  • Untersuchungen, die Conventional und Sumo Deadlifts vergleichen, zeigen im Durchschnitt ähnliche Maximalkräfte. Die Wahl der besseren Variante hängt stark von individuellen Körperproportionen wie Rumpflänge und Beinlänge ab.

  • Elektromyographische Analysen zeigen Unterschiede in der Muskelaktivierung. In Teilen der Bewegung scheint Sumo die Oberschenkelvorderseite etwas stärker zu beanspruchen, während Conventional andere Abschnitte der hinteren Kette und die Rückenstrecker stärker fordert.

  • Romanian Deadlifts und Stiff Leg Deadlifts belasten beide Hamstrings, Glutes und unteren Rücken. Unterschiede ergeben sich vor allem durch Kniebeugung, Bewegungsumfang und Lastverteilung, was sich auf Komfort, Bewegungsgefühl und Zielmuskel Fokus auswirkt.

  • Insgesamt deuten die Daten darauf hin, dass es mehrere sinnvolle Varianten gibt und dass deine individuelle Anatomie, Beweglichkeit und Erfahrung entscheidend dafür sind, welche Option sich langfristig am besten anfühlt.



Literatur und wissenschaftliche Quellen

Die in diesem Artikel dargestellten Aussagen stützen sich auf folgende wissenschaftliche Studien und Artikel:

  • Hales ME, Johnson BF, Johnson JT. Biomechanical analysis of the conventional- and sumo-style deadlift. Med Sci Sports Exerc. 2009;41(3):638–644.

  • Jandacka D, Uchytil J, Farana R, Zahradnik D. Anthropometrical determinants of deadlift variant performance. J Sports Sci Med. 2019;18(3):448–453.

  • Biomechanical analysis of conventional and sumo deadlift. Front Bioeng Biotechnol. 2025.

  • Escamilla RF et al. An electromyographic analysis of sumo and conventional style deadlifts. J Strength Cond Res. 2002;16(4):630–638.

  • Vigotsky AD et al. Electromyographic activity in deadlift exercise and its variants: a systematic review. PLoS One. 2020;15(2):e0229507.

  • De Michele R et al. An electromyographic analysis of Romanian, step Romanian, and stiff-leg deadlift: implications for resistance training. J Strength Cond Res. 2022.

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